Die vier Fertigkeiten

Fremd- und zweitsprachliche Kompetenzen werden in der gegenwärtigen Didaktik ausgehend von den „vier Fertigkeiten“ Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen formuliert. Die Fertigkeiten werden als Grundtätigkeiten betrachtet, die im Gebrauch der Sprache ausgeführt werden und in denen sich sprachliches Können manifestiert (vgl. Faistauer 2010, Huneke/ Steinig 2013).

 Videobeispiel 8 Sprachenzertifikate für medizinische Fachkräfte

Eine übergreifende Gliederung betrifft die Einteilung in rezeptive (Hören, Lesen) und produktive Fertigkeiten (Sprechen, Schreiben). Zudem kann zwischen ihrem Bezug auf die mündliche (Hören, Sprechen) und die schriftliche (Lesen, Schreiben) Kommunikation unterschieden werden.

Abb. 1 Einteilung der Fertigkeiten (nach Huneke/Steinig 2013:141)

 

Rezeptive Sprachverarbeitung

Produktive Sprachverarbeitung

Gesprochene Sprache

Hören

Sprechen

Geschriebene Sprache

Lesen

Schreiben

 

Die Bezeichnungen „rezeptiv“ und „produktiv“ haben die Begriffe „aktiv“ und „passiv“ in der didaktischen Diskussion abgelöst. Auch Zuhören und Lesen gelten als kommunikative Aktivitäten, bei denen der Hörer/Leser nicht nur etwas Vorgefertigtes passiv aufnimmt, sondern vielmehr in einem Verstehensprozess aktiv Sinn konstruiert.

In Prüfungen und Lehrbüchern für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache werden die vier Fertigkeiten als Lernbereiche des Unterrichts meistens gleichermaßen berücksichtigt. So werden im Laufe einer Prüfung oder Lehrwerkslektion typischerweise alle vier Fertigkeiten fokussiert. Im kommunikativen Alltag treten die Fertigkeiten nur selten isoliert auf, sondern sind in komplexer Weise ineinander verwoben. Aus diesem Grund wird über das gezielte Einzeltraining hinaus auch eine integrierte Vermittlung der Fertigkeiten angestrebt (vgl. Fandrych/ Thonhauser 2008). Phonetisch-phonologische, grammatische und lexikalische Kompetenzen werden als Bestandteile der Fertigkeiten angesehen. Als weitere Kompetenz wird die Sprachmittlerfähigkeit diskutiert.

In der fachlichen Kommunikation nehmen die Fertigkeiten je nach Fach unterschiedliche Formen an. So sind beispielsweise ausländische Ärzte oder Pflegekräfte mit anderen sprachlichen Handlungserfordernissen konfrontiert als Ingenieure, Mechatroniker, Bürofachkräfte oder Bäcker.

Literaturhinweis

Fandrych, Christian/ Thonhauser, Ingo (Hgg.) (2008): Fertigkeiten – separiert oder integriert? Zur Neubewertung der Fertigkeiten und Kompetenzen im Fremdsprachenunterricht. Wien: Praesens-Verlag

Huneke, Hans-Werner/ Steinig, Wolfgang (20136): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt

Krumm, Hans Jürgen/ Fandrych, Christian/ Hufeisen, Britta/ Riemer, Claudia (Hgg.) (20102): Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Ein internationales Handbuch. Berlin: de Gruyter Mouton

Liedke, Martina (2012) Grundlagen der Lehr- und Lernziel-Bestimmung. (= Grundbaustein 2, Fernstudienkurs Grundlagen und Konzepte des DaF-Unterrichts, hg. Jörg Roche). München: LMU/ Goethe-Institut

Roche, Jörg (2013): Fremdsprachenerwerb - Fremdsprachendidaktik. Tübingen: UTB

 

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