Ansätze und Methoden der Sprachwissenschaft


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Verschiedene Ansätze haben die Linguistik in den vergangenen Jahrhunderten geprägt. 

Videobeispiel 3 Ferdinand de Saussure and Structural Linguistics

 

 

Die Grundlagen der sprachwissenschaftlichen Beschreibung gehen bis in die Antike zurück. Die "Τέχνη γραμματική", Grammatische Wissenschaft, von Διονύσιος ὁ Θρᾷξ, Dionysius Thrax, (Ende 2. Jh. v.C.)  bietet eine Einführung in die Wortartenlehre, wie wir sie bis heute kennen. Das bekannteste Lehrbuch der lateinischen Grammatik, die "Ars Grammatica" von Donatus (um 350 v. Chr.) übernahm im Wesentlichen die griechischen Kategorien und übersetzte die Wortartenbezeichnungen in das Lateinische: Substantiv, Verb, Pronomen usw. Bis heute werden sie zur Sprachbeschreibung verschiedenster Sprachen, auch des Deutschen, genutzt.

 

Die Grammatik wurde zum Bestandteil der "Septem Artes Liberales", der "sieben freien Künste", die die Bildungsvorstellungen von der Antike bis ins Mittelalter hinein bestimmten.

Im 20. Jahrhundert etablierte Ferdinand de Saussure (1857 - 1913) mit seinem Buch "Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft" (1916) schließlich die Linguistik als eigenständige Wissenschaft. Saussure prägte die Vorstellung von Sprache als einem (psychischen) System von Zeichen, dessen einzelne Werte voneinander abhängig sind. Die sprachwissenschaftliche Denkrichtung wird daher auch als Europäischer Strukturalismus bezeichnet. 

Im Zusammenhang der Beschreibung von indogenen Sprachen Amerikas, die nur in mündlicher Form vorlagen, entwickelte sich als eigenständige Richtung der Amerikanische Strukturalismus. Dabei verwendete man ein empirisches Vorgehen:

– Eine Datensammlung wurde erstellt - Korpuserstellung (das Korpus, Pl. die Korpora = Datensammlung),

– Die Daten wurden verschriftlicht - Transkribieren (verschriftlichen)

– Sie wurden in Sinneinheiten zerlegt - Segmentieren (einteilen)

- Die Verteilung der Einheiten wurde beschrieben - Distribution (Verteilung).

Man bezeichnet den Amerikanischen Strukturalismus daher auch als Distributionalismus. Leonard Bloomfield, ein Vertreter des Amerikanischen Strukturalismus, entwickelte vor diesem Hintergrund auf Anfrage des Militärs die audiolinguale Methode als neues Sprachvermittlungsverfahren.

Eine Einführung in zeichentheoretische Sprachvorstellungen bietet das Lernmodul "Semiotik" (L;nkolon): http://www.linse.uni-due.de/linkolon/semiotik/flash/semiotikstart.html

Noam Chomsky spitzte das Beschreibungsmodell der Sprachwissenschaft in seinen Arbeiten, u.a. Aspects of the Theory of Syntax (1965), vor allem auf die Analyse grammatischer Strukturen zu. Er versteht Sprache als angeborenes System, weshalb diese Richtung auch als "Nativismus" bezeichnet wird. Der Spracherwerb wird von Chomsky als kreativer Prozess des Regelerwerbs und –testens verstanden. Die grammatische Beschreibung ist daher als generatives Modell konzipiert (eine sog. "generative", d.h. hervorbringende Grammatik).

Kennzeichnend für die Entwicklung der sprachwissenschaftlichen Theorie ist eine zunehmende Ablösung von Sprache aus ihren gesellschaftlichen Zweckbezügen und Zusammenhängen. Ein alternativer Sprachentwurf, der Sprache an das menschliche Handeln zurückbindet,  zeichnete sich bereits in den Arbeiten von Karl Bühler (1934, Sprachtheorie) ab.

In der Philosophie wurde mit der Speech Act Theory (John L. Austin, John R. Searle), in der Linguistik später mit der Linguistischen Pragmatik (Konrad Ehlich, Jochen Rehbein) eine Handlungstheorie von Sprache entworfen, die nicht den Begriff des Zeichens, sondern das Konzept der Handlung in der Sprachbeschreibung nutzt.

Literaturhinweise

Austin, John L. (1972) Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart: Reclam [engl. 1962]

Bühler, Karl (1934) Sprachtheorie. Jena, Stuttgart: Fischer. 2. Aufl. 1965. Taschenbuchauflage: 1982 bei UTB, Stuttgart. Auszug in: Hoffmann, Ludger (Hg.) (32010) Sprachwissenschaft. Ein Reader. Berlin: de Gruyter, S. 84–104

Chomsky, Noam (1973) Aspekte der Syntax-Theorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp [engl. 1965]

Ehlich, Konrad (2007) Sprache und sprachliches Handeln. 3 Bde. Berlin: de Gruyter

Hoffmann, Ludger (Hg.) (32010) Sprachtheorie. Ein Reader. Berlin: de Gruyter

Jäger, Ludwig (1993) “Language, what ever that may be.” In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft 21/1, S. 77–106

Jungen, Oliver / Lohnstein, Horst (2007) (Hgg.) Geschichte der Grammatiktheorie: Von Dionysius Thrax bis Noam Chomsky. München: Fink

Saussure, Ferdinand de (1931/1967) Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Hg. von Charles Bally und Albert Sechehaye. (2. Aufl.) Berlin: de Gruyter

Searle, John R. (1982) Ausdruck und Bedeutung. Untersuchungen zur Sprechakttheorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp [engl. 1979]

Weber, Ursula (2003) Kleine Geschichte der Sprachwissenschaft. Tübingen: Narr 

 

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